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Liga der Freien Wohlfahrtsverbände bereitet die Gründung eines Behindertenbeirats vor.
LANDKREIS BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Die Liga der freien Wohlfahrtspflege präsentierte am Donnerstag bei einem Informationsabend im Weihbischof-Gnädinger-Haus in Freiburg ihr Konzept zur Einführung eines Behindertenbeirats für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Eingeladen waren auch Esther Grunemann, die Behindertenbeauftrage für Freiburg, und Joachim Herb vom Freiburger Behindertenbeirat. Nachdem Esther Grunemann bereits vor zwei Jahren als Behindertenbeauftrage für die Stadt berufen wurde, möchte die Liga der freien Wohlfahrtspflege nun auch ein Gremium einrichten, das die Interessen der Menschen mit Behinderung aus dem Landkreis vertritt. "Etwa 10 Prozent der Kreisbewohner sind von einer Behinderung betroffen und leiden unter Einschränkungen ganz unterschiedlicher Art", sagte Sören Funk, der Vorsitzende der Liga. Der Abend solle deswegen als Startschuss zur besseren Unterstützung und Vertretung der Landkreisbewohner mit Behinderung gesehen werden. Bernhard Scherer, Vorstand des Caritasverbandes Breisgau-Hochschwarzwald, erklärte, wie der Behindertenbeirat für den Landkreis konkret aussehen solle: "Der Rat setzt sich aus 16 stimmberechtigten Mitgliedern zusammen, von denen zehn direkt Betroffene sein sollen." Das Gremium solle eine gebündelte Interessenvertretung sein und sich insbesondere mit Themen wie barrierefreies Wohnen, Verkehr und Integration von Menschen mit Behinderung in Kultur, Freizeitangebote, Ausbildung und Arbeit beschäftigen. Außerdem soll ein ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter gewählt werden, der als unabhängige Interessenvertretung ein Bindeglied zu Kommunen, Fraktionen und Verbänden sein soll, so wie Grunemann in Freiburg. Der Beauftragte soll auch an relevanten kommunalpolitischen Entscheidungen beteiligt werden. Die Liga der freien Wohlfahrtspflege sieht sich bei der Bildung des Behindertenbeirates als Geburtshelfer. "Unser Anliegen ist es, dass Menschen mit Behinderung nach der Einrichtung des Beirats einen Interessenvertreter haben und so gemeinsam entscheiden könne, was für sie richtig ist", so Scherer. "So schnell wie möglich hauptamtliche Stelle einrichten" Da der Behindertenbeauftragte ehrenamtlich arbeiten wird, solle der Landkreis vorerst pauschal 7000 Euro als Aufwandsentschädigung bereit stellen. Grunemann und Herb berichteten auch von ihren Erfahrungen in Freiburg. Es sei nicht einfach, die komplexen Aufgaben als Behindertenbeauftragte nebenberuflich zu leisten, sagte Grunemann. Deswegen regte sie an, anstatt der ehrenamtliche Stelle für den Landkreis so schnell wie möglich eine bezahlte Stelle einzuführen. Funk und Scherer von der Liga betonten, dass der Beirat erst ein Anfang sei und nicht direkt eine perfekte Lösung geboten werden könne. "Das ist aber immer noch besser, als die Menschen mit Behinderung weiterhin als Einzelkämpfer alleine zu lassen", so Scherer. Die Gründungsversammlung, bei der Behindertenbeirat und Behindertenbeauftragter für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gewählt werden sollen, findet voraussichtlich am 10. November statt; der Ort der Veranstaltung ist noch nicht bekannt.
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Die inklusive Schule leidet unter den Unzulänglichkeiten im deutschen Bildungssystem und an Berührungsängsten derGesellschaft.
MÜLLHEIM. Behinderte und nichtbehinderte Schüler gemeinsam in einer Klasse – mit der UN-Behindertenrechtskonvention ist das nicht mehr nur Wunschtraum, sondern Rechtsanspruch. Aber in einem waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion in Müllheim einig: Das deutsche Schulsystem muss sich dazu gehörig umstellen – kleinere Klassen schaffen, Sozial- und Sonderpädagogen einstellen, Lehrer anders ausbilden. Die UN-Konvention, die das Recht auf den Besuch einer regulären Schule für alle geltend macht und das Modell der inklusiven Schule vorsieht, ist im Frühjahr 2009 in Deutschland in Kraft getreten. Markus Kurth, behindertenpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, nannte sie in der Podiumsdiskussion in Müllheim einen "Meilenstein." Hätten frühere Konventionen vor allem Abwehrrechte des Einzelnen gegenüber dem Staat festgeschrieben, formuliere die Behindertenrechtskonvention erstmals Ansprüche gegenüber der Gesellschaft. "Die Anpassungsleistung muss von der Gesellschaft ausgehen, nicht vom Behinderten selbst", sagte Kurth auf der Veranstaltung, die in der Waldorfschule stattfand. Die Konvention sei bereits geltendes Völkerrecht. Auch die Bundesrepublik habe sie ratifiziert, einstimmig in Bundestag und Bundesrat. "In Deutschland gingen 2010 nur 18 Prozent aller behinderter Kinder und Jugendlicher auf eine Regelschule, in anderen europäischen Ländern sind es bis zu 90 Prozent", erklärte der Bundestagsabgeordnete. "Wir brauchen die Sonderschule auch in Zukunft", zeigte sich indes Richard Cicciarella, Schulleiter der Schule für Erziehungshilfe Kirschbäumleboden, überzeugt. Nicht alle Kinder und Jugendliche mit Behinderung seien ins Regelschulsystem integrierbar, sagte der Rektor der Müllheimer Förderschule. "Wir haben bei uns viele traumatisierte und psychiatrisch auffällige Kinder, die sprengen jede andere Schulform." Einigkeit bestand auf dem Podium darin, dass das gemeinsame Unterrichten behinderter und nichtbehinderter Schüler in der Regelschule das besondere Wissen von Sonder- und Heilpädagogen erfordere. An Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien seien die Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung und Beeinträchtigung noch zu groß. "Die Mauer in den Köpfen ist noch da", meinte Traude Schüler, Gründerin des Vereins Thetis mit Sitz in Ehrenkirchen, der Menschen mit Behinderung bei der Ausbildung und bei der Eingliederung ins Arbeitsleben unterstützt. Zu große Klassen, zu wenige und unzureichend ausgebildete Lehrer, ungeeignete Gebäude – am deutschen Schulwesen gebe es viele Baustellen, die noch abzuarbeiten seien, bevor die inklusive Schule Wirklichkeit werden kann. Länder wie Finnland gehen mit gutem Beispiel voran Thomas Manthey, Rektor der Adolph-Blankenhorn-Schule in Müllheim, berichtete im Rahmen der von der grünen Landtagsabgeordneten Bärbl Mielich moderierten Diskussion von Klassen mit 31 Jungen und Mädchen. Manche im Publikum waren sogar der Meinung, dass inklusives Lernen mit dem dreigliedrigen deutschen System überhaupt nicht funktioniere. Am ehesten sei es noch an privaten und freien Schulen wie den Waldorfschulen zu schaffen. An der Waldorfschule Emmendingen wird das Modell seit Jahren schon praktiziert. Geschäftsführer Michael Löser berichtete von Klassen, in denen auch geistig Behinderte sitzen und die nicht nur von einem Lehrer, sondern von einem Team aus zweien unterrichtet werden. "Aber lernen nichtbehinderte Kinder in solchen Klassen auch genug?", fragte ein Besucher der Veranstaltung. "Ja", entgegnete Helmut Gattermann
von der Freiburger Initiative "Eine Schule für alle". Länder wie Finnland
hätten in der Pisa-Studie deshalb so gutabgeschnitten, weil dort inklusive
Schulen die Regel seien. |
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Gisela Schlenker, Marcel Schwehr und Dieter Ehret. Foto: Sylvia-Karina Jahn
Auf dem Podium waren sich die Landtagsabgeordneten Bärbel Mielich (Grüne), Marianne Wonnay (SPD), Marcel Schwehr (CDU), Dieter Ehret (FDP), Joost Wejwer (Kreisjugendring) und Gisela Ehret (Kreisseniorenrat) völlig einig in ihren positiven Erfahrungen im familiären Miteinander. "Die Begegnung der Generationen ist etwas Wunderbares", sagte Wonnay und wies darauf hin, dass Familie eben nicht nur die Kinder meine: Auch die ältere Generation gehöre dazu. "Beide Generationen müssen sich anstrengen", mahnte Gisela Schlenker, die Älteren müssten genauso an sich arbeiten wie die Jüngeren. Doch die Probleme sind damit nicht gelöst. Schwehr wies darauf hin, dass die Jungen sagten, sie könnten die Lasten der älteren Generation nicht tragen, während sich die Älteren zu Recht darauf beriefen, ihr Lebenswerk vollbracht zu haben. Hier einen Ausgleich zu finden, sei Sache der Politik. Gegenseitigen Respekt und gemeinsames Engagement, etwa in der Umweltpolitik, sah Ehret als eine Möglichkeit, Jung und Alt zusammenzuschweißen. Für Joost Wejwer sind die schlechten Rahmenbedingungen für Familien das Grundübel: Die meisten jungen Menschen wollten eine gründen, doch wie, wenn sie mit Mitte 30 noch keine feste Stelle hätten? Obwohl der demografische Wandel, wie Wonnay anmerkte, die Chancen der Jungen wie der Älteren steigere; im Blick auf junge Menschen habe die Wirtschaft das auch erkannt. Ein junger Zuhörer meinte, es sei eher eine Frage der Werte: Vor 50 Jahren hätten die Menschen sich unter weit schlechteren Rahmenbedingungen bewusst für die Familie entschieden. Es müsse ein System gefunden werden, die Generationen von Anfang an miteinander zu verbinden, meinte Wonnay – etwa wie das Rote Haus in Waldkirch. Weil dort vom Kindergarten über den Schülerhort bis hin zum Vereinstreff und Angeboten für Ältere alles geboten sei, rege es Kontakte an – um die sich freilich auch der Einzelne bemühen müsse. Es gibt funktionierende Modelle wie die "Leihoma", wenn in den Familien die Großeltern fehlen, die Hilfe Älterer bei Schulaufgaben oder bei Problemen mit Bewerbung und Ausbildung. Auf der anderen Seite gibt es aber auch das Problem Pflegebedürftigkeit der älteren Menschen. Nicht nur die Kinderbetreuung, sondern auch die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf werde künftig ein Thema werden, sagte Wonnay. Mielich erinnerte an das "Vorzeigeprojekt" Eichstetten, wo Ehrenamtliche die Betreuung von Alten, Pflegebedürftigen und Dementen unterstützten und so die Familien entlasteten. Oder wäre ein allgemeiner Pflegedienst statt des Wehrdienstes die Lösung, wie Zuhörer anregten? Oder der Einsatz dafür geeigneter Menschen ohne Arbeit, allerdings gegen gute Bezahlung? Generell wurde auch ein besseres Image für die Pflegeberufe gefordert. Schwehr hielt es für ganz wichtig, dass sich alle Generationen in der Kommunalpolitik engagieren. Wie stellen sich die Podiumsteilnehmer ihren Ruhestand vor, fragte der Emmendinger BZ-Redaktionsleiter Gerhard Walser, der die Diskussion moderierte. Bärbel Mielich wünschte sich eine Wiederbelebung ihrer Studenten-WG, Marianne Wonnay freut sich auf viel Zeit und Familie, Joost Wejwer sieht sich mit Kindern und Enkeln am Strand – oder mit Rollator an der Dreisam. Gisela Schlenker hat bereits vor 40 Jahren beim Hausbau an ebenerdigen Zugang gedacht, um im vertrauten Umfeld bleiben zu können. Auch für Dieter Ehret steht die Familie im Mittelpunkt, doch hat er erst mal noch viel vor – wie Marcel Schwehr, der mit seinen 41 Jahren weniger an den Ruhestand denkt als daran, sich noch aktiv für Generationengerechtigkeit und gegenseitiges Verständnis einzusetzen. Für Ulrich Leser von der Kreisjugendpflege war es nicht nur deswegen sicher nicht die letzte Veranstaltung zum Thema.
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EHRENKIRCHEN. Der erste Tag im September war für Traude Zähringer ein wichtiger: An diesem Freitag ist das neue Projekt ihres Vereins Thetis e.V. gestartet. Die rund 60 Mitglieder, deren Vorsitzende Traude Zähringer ist, wollen Menschen mit Behinderung besser in die Gesellschaft eingliedern. Diese Integration soll — in einem ersten Schritt — über den Arbeitsplatz gelingen.
Viele Behinderte wollten trotz ihres Handicaps
einen "normalen" Berufsalltag erleben, sagt Traude Zähringer, der nicht
zwangsläufig in einer speziellen Werkstätte stattfinden müsse. "Es geht
darum, ihnen eine Wahlmöglichkeit zu bieten" , betont sie. Die Norsingerin
weiß, wovon sie spricht, denn eines ihrer vier Kinder gilt als geistig
behindert. "Samuel wollte immer in die Gastronomie" , erzählt die Mutter,
die für ihren heute 22-jährigen Sohn schließlich eine Stelle im Hofgut
Himmelreich ergattert hat. Das Hotel-Restaurant am Eingang des Höllentals
war das erste Projekt, das die Ehrenamtlichen von "Thetis" angestoßen haben.
In dem so genannten Integrationsbetrieb arbeiten seit zwei Jahren Behinderte
erfolgreich mit Nichtbehinderten zusammen. |
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KIRCHZARTEN (bas). "Wir suchen Firmen, die einen Behinderten für ein Praktikum nehmen" , sagt Traude Zähringer, die Vorsitzende des Vereins Thetis, der die Ausbildung und Eingliederung von Menschen mit Behinderung fördern will. Eine Firma ist schon gefunden: die FSM Elektronik in Kirchzarten.
Seit vier Jahren arbeitet in dem
mittelständischen Betrieb ein geistig behinderter Mann. Erst war er
Praktikant, dann haben die Geschäftsführer ihn fest angestellt. "Er arbeitet
Vollzeit und hat einen normalen Vertrag" , sagt Eugen Molz, einer der
Leiter, und fügt hinzu: "Für uns ist das einfach normal." |
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KIRCHZARTEN-HIMMELREICH.
Außerdem sei
nach dem Sozialgesetzbuch IX jeder behindert, “dessen Fähigkeiten mehr als
sechs Monate von seinem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen” ,
erklärte Andreas Hornung von Südwestmetall, “darunter fallen wirklich viele
Leute, selbst diejenigen, die nur mal einen Bandscheibenvorfall hatten” ,
sagte der Rechtsanwalt. Keine idealen Voraussetzungen also für geistig
behinderte Menschen, außerhalb von Werkstätten einen Ausbildungs-
beziehungsweise Arbeitsplatz zu finden. |
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KIRCHZARTEN.
“Eine neue Kultur des Miteinanders” liegt
der Hofgut Himmelreich GmbH zugrunde, einem Restaurant-Hotel- und
gleichzeitigem Integrationsbetrieb für geistig behinderte Menschen ins
Arbeitsleben. Der Name “Himmelreich” ist für Geschäftsführer Jürgen Dangl
“nicht nur ein Versprechen, sondern ein Versprechen für mehr, für ein Mehr
an Miteinander, Toleranz, Gerechtigkeit, Respekt und Wertschätzung
füreinander” . Der bisherige Erfolg von Gastronomie und Projekt gibt den
Initiatoren Recht. |
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Es ist ihr vierter Tag, und Sophie
Morgenroth schlägt sich tapfer. Die junge Frau hat das Down-Syndrom. Aber
sie arbeitet nicht, wie so viele mit dieser Diagnose, in einer betreuten
Behindertenwerkstatt. Die 20-jährige Freiburgerin hat eine tariflich
bezahlte Stelle im 500 Jahre alten Hofgut.
Heute, ein Jahr nach dem ungewissen Start,
arbeiten elf Fachkräfte und zehn Behinderte in dem Schwarzwaldhotel. Das
Geschäft läuft gut, und deshalb werden im Mai nächsten Jahres drei weitere
Behinderte eingestellt. An die Stelle der Skepsis der ersten Zeit sind
Zuspruch und Bewunderung getreten. „Die Einheimischen und die Touristen sind
so offen, dass wir immer wieder überrascht sind“, sagt Jürgen Dangl. Selbst
Sophie, die mit noch zaghaften Handgriffen an ihrem vierten Arbeitstag die
Teller im Speisesaal abräumt, spürt nur Wohlwollen bei den Gästen. „Es macht
doch keinen Unterschied, von wem man bedient wird“, sagt eine der
Ausflüglerinnen am Tisch. |
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Kirchzarten. Im „Hofgut Himmelreich" wird gelebt, was seit 1998 erklärtes Ziel des Vereins „Thetis" ist. Hier haben inzwischen sechs Menschen mit Behinderung einen festen Arbeitsplatz bekommen, erhalten einen tariflichen Lohn und kümmern sich gemeinsam mit nichtbehinderten Kolleginnen und Kollegen um das Wohl der Gäste. „Anliegen unseres Vereines ist es", erklärt die neue Vorsitzende von „Thetis", Traude Zähringer, „Menschen mit Behinderung im Großraum Freiburg durch die Teilnahme an einem möglichst normalen Berufsleben in unsere Gesellschaft zu integrieren. "Seit seiner Gründung vor sechs Jahren hat „Thetis", der „Verein zur Förderung von Ausbildung und Eingliederung behinderter Menschen", bereits 15 Menschen mit Behinderung in feste Arbeitsplätze vermittelt. Der nach dem Namen der „Göttin der Behinderten" benannte Verein ist der Überzeugung, das behinderte Menschen die Möglichkeit haben sollten, bei ihrer Lebensplanung mitzubestimmen. „Wir wollen helfen", so Bärbel Strecker, eine der beiden stellvertretenden Vorsitzenden, „dass Behinderte dort leben, lernen und arbeiten können, wo sie zu Hause sind und nicht aus dem wohnortnahen Erlebnisbereich ausgeschlossen werden." Durch Integration könne ihr Selbstwertgefühl gesteigert werden. Die Vereinsmitglieder von „Thetis" sind stolz darauf, dass sie an der Verwirklichung des integrativen Projektes im, Hofgut Himmelreich" intensiv mitgewirkt haben. Doch das genügt noch nicht. Sie suchen dringend weitere integrative Arbeitsplätze, die sie sich zum Beispiel in der Gastronomie, in der Landwirtschaft, im Gartenbau oder in der Wäscherei vorstellen können. Arbeitgeber, die sich vorstellen können, Behinderte im Betrieb zu beschäftigen, sollten sich bald mit „Thetis" in Verbindung setzen. Im Gespräch können alle vorhandenen Fragen geklärt werden. Vereinsmitglieder helfen bei der; Einarbeitung und stehen als Partner Verfügung. Im Rahmen eines Praktikums könnte auch zunächst geprüft werden, ob ein Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung geeignet ist. Für Traude Zähringer ist wichtig dass ihre Arbeit nicht als Affront gegen die gute Arbeit in Behindertenwerkstätten verstanden wird „Wir wollen dazu eine Alternative anbieten." Bei „Thetis" können alle interessierten Menschen Mitglied werden. Sie müssen nicht behindert sein oder unmittelbar mit behinderten Menschen zusammen leben. Wer sich mehr für die Arbeit von „Thetis interessiert kann sich mit der Vorsitzenden Traude Zähringer, In den Gärten 3, 79238 Ehrenkirchen, T Fax: 07633-160622 oder Bärbel Strecker, Höfener Straße 93, 79199 Kirchzarten, Tel.: 07661-5673 in Verbindung setzen. Spenden an den Verein können steuerlich, abgesetzt werden.
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KIRCHZARTEN. "Mit Ermüdungserscheinungen hatten wir
öfters zu kämpfen", sagte Jürgen Dangl bei der offiziellen Einweihung des
Integrationsbetriebs "Hofgut Himmelreich" vor rund 150 Gästen. Aber
inzwischen läuft der Gastronomiebetrieb, in dem geistig behinderte mit nicht
behinderten Menschen zusammenarbeiten, seit drei Monaten.
Jürgen Dangl nahm bei der Einweihung des
Integratrionsbetriebes "Hofgut Himmelreich" eine Spende der Sparkasse
entgegen, die Gerhard Strtittmatter überreichte. Mit Musik umrahmten die
Schwestern Naomi und Ela Nägele die Einweihung des Betriebes. Naomi Nägele
ist eine der 13 Behinderten Mitarbeiter des Hofguts. |
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KARLSRUHE. Der Konkurrenzkampf im Lebensmitteleinzelhandel ist beinhart. Trotzdem eröffnet die Genossenschaft der Werkstätten für Behinderte neue Lebensmittelmärkte. Seit heute gibt es ein Geschäft in Bad Dürrheim. Wenn Corinna Ehret (24) an der Supermarktkasse sitzt, muss sie konzentriert sein, sonst übersieht sie den Sonderpreis für die Essiggurken und riskiert Ärger mit dem Kunden. Freundlich muss sie auch sein, vor allem aber schnell. Die Kunden wollen schließlich nicht länger als nötig in der Kassenschlange stehen. Ehret ist all das - und sie ist körperlich und geistig behindert. Die Menschenschlange schiebt sich an der knapp 1,40 Meter großen Frau vorbei, die auf ihrem Drehstuhl sitzt und die Waren über den Strichcodeleser jagt. Manche Kunden wirken irritiert. Solange, bis ihnen Ehret Wechselgeld und Quittung in die Hand drückt und sie mit einem fröhlichen "Tschüs, schönen Tag!" verabschiedet. Ehret arbeitet gemeinsam mit zwölf anderen schwerbehinderten Menschen und sieben Menschen ohne Behinderung im CAP-Markt in der Karlsruher Kaiserallee. Er ist Teil einer Kette von Märkten mit dem Namen "CAP . . . der Lebensmittelpunkt." CAP kommt von Handikap. In jedem Markt arbeiten mindestens 40 Prozent Schwerbehinderte, so genannte Integrationskräfte, aktuell insgesamt rund 230 Menschen. Dazu kommen noch Funktionskräfte - Menschen ohne Behinderung. Angeboten wird ein Vollsortiment von etwa 7000 Produkten. So viele bietet auch ein HL- oder Edeka-Markt an. Das Sortiment von Aldi umfasst nur knapp rund 1000 Produkte. Auch die Preise im CAP-Markt sind handelsüblich. In Hamburg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern gibt es Ableger der Kette. Die meisten CAP-Märkte bestehen in Baden-Württemberg und da besonders im Raum Stuttgart. 1999 eröffnete der erste Markt in Herrenberg. Heute eröffnet in Bad Dürrheim Markt Nr. 22. Und die Kette wächst weiter: "Ich denke, dass wir 2005 zwischen zehn und 15 Märkte eröffnen werden", sagt Thomas Heckmann von der Genossenschaft der Werkstätten für Behinderte (GDW) in Sindelfingen. Sie koordiniert das Projekt, verhandelt mit den Lieferanten die Konditionen für den Einkauf der Waren, kümmert sich um Marketing und Werbung. Ansonsten ist jeder Markt eigenständig. Betreiber sind meist örtliche Behindertenwerkstätten, aber auch die Caritas ist darunter. Sie tragen ein beachtliches betriebswirtschaftliches Risiko: 500 000 Euro hat etwa das Beschäftigungszentrum Karlsruhe investiert, als es im vergangenen Mai den Markt in der Kaiserallee eröffnete. Doch ist das Projekt CAP-Markt finanziell tragfähig? Fragt man bei der GDW, lautet die Antwort ja. "Grundgedanke des Projekts ist es, behinderten Menschen Arbeitsplätze zu bieten", sagt Heckmann, "aber die Märkte müssen eine schwarze Null schreiben. Und das tun 90 Prozent von ihnen." Der Umsatz aller Märkte habe im vergangenen Jahr über 20 Millionen Euro gelegen. Zahlen zum Gewinn möchte Heckmann nicht nennen. Die CAP-Strategie sei es, in leer stehende Supermarktgebäude zu ziehen und zwar in Wohngebieten, aus denen sich die großen Handelsketten und Discounter zurückgezogen haben. Josef Lachner, Einzelhandelsexperte vom Ifo-Institut in
München, hat Zweifel an dieser Strategie. "Wenn noch Nachfrage besteht, ist
es unwahrscheinlich, dass eine Supermarktkette ein Wohngebiet verlässt." Die
GDW geht von einem Mustermarkt mit 500 Quadratmetern Verkaufsfläche aus. Das
findet Lachner zu klein. Erst ab 1500 Quadratmetern sei es wirklich
sinnvoll, ein Vollsortiment anzubieten. "Es ist schon verwunderlich, dass
diese Läden sich finanzieren sollen", sagt Lachner. Der Lebensmittelmarkt
sei ein sehr schwieriges Feld mit niedrigen Gewinnspannen und einem harten
Verdrängungswettbewerb. "Es kommt nicht von ungefähr, dass viele Ketten zur
Zeit Probleme haben. Und das sind Profis." Lachners Kollege Martin Werding,
Ifo-Experte für soziale Dienste Sozialpolitik, spricht von einer
"gigantischen Leistung, wenn sich das trägt". Schließlich müsse auch ein
Supermarkt wie CAP zwingend konkurrenzfähige Preise haben. "Sie kriegen die
Kunden nicht mit Mildtätigkeit |
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KIRCHZARTEN. Zwischen "hmm, das schmeckt so frisch und gut ", "guter Ansatz, diese Umsetzung zum Thema fairer Handel" und "Ihrem erstaunlichen Betriebskonzept wünschen wir guten Erfolg" bewegte sich die Stimmungslage zum "fairen Frühstück" im Hofgut Himmelreich. "Fast eine Matineeatmosphäre", wertete es Christoph Biber, Leiter des Integrationsbetriebes. Der baden-württembergische Dachverband Entwicklungspolitik regte landesweit zu 100 fairen Frühstücken an 100 außergewöhnlichen Orten" an. Die Aktion "Eine Welt Kirchzarten" griff gemeinsam mit dem Hofgut Himmelreich diese Anregung auf. Die Gäste, darunter viele Familien mit Kindern, ließen sich das Frühstücksbüffet im traditionsreichen Hofgut Himmelreich munden. "Es hat geschmeckt, die Geselligkeit war wunderschön!" oder "Soziales mit Genuss verbinden ist eine tolle Idee und unterstützenswert!", lauteten ihre Kommentare. Wobei nicht allein die Fairness des Handels gemeint war. Für "fair" steht auch das Konzept der Betreibergesellschaft Hofgut Himmelreich, die seit 1. September 2004 den Betrieb, einen Integrationsbetrieb mit Hotel und Restaurant, mit sechs Vollzeitkräften und sechs Behinderten führt. Das Haus verfügt über 15 Zimmer, 25 Betten, es ist durchgehend geöffnet und öffnet ab 7.30 Uhr sein Frühstücksbüfett. Nach positiver Eignungsfeststellung werden behinderte Arbeitskräfte fest eingestellt und nach normalem Hotel-und Gaststättentarif bezahlt. Ziel der gemeinnützigen Gesellschaft ist es, in den kommenden zwei Jahren 13 Arbeitsplätze für Behinderte zu schaffen. Als ehrenamtlicher Geschäftsführer konnte Jürgen Dangl gewonnen werden. Auch an die Einrichtung einer Akademie zur Schulung externer Nichtbehinderter und Einarbeitung externer Behinderter theoretisch und praktisch wurde ebenfalls gedacht. Zunächst aber muss der Betrieb wirtschaftlich arbeiten. "Wir setzen auf das Konzept "frische heimische Produkte zu akzeptablen Preisen" und beziehen, was möglich, aus nächster Umgebung", gibt Christoph Biber, der 15 Jahre als Direktor den "Alemannenhof" in Titisee/Hinterzarten geführt hatte, Auskunft. Kirchzartens "Eine Weltladen" ist Einkaufsquelle ebenso wie regionale Höfe, Schwarzwälder Getränkehersteller, Obst- und Gemüsebauern. Muss etwas repariert oder erneuert werden, sollen das Handwerksbetriebe aus nächster Umgebung erledigen. Fair handeln können auch alle Gäste, die diese Innovationen mit ihrem Aufenthalt unterstützen. Ein aktuelles Video über die Kaffee-Kooperative Uciri in Mexico beschloss die morgendliche Aktion. 2300 Kaffee-Kleinbauern aus 53 Dörfern sind darin zusammengeschlossen und werden von der Gepa, der größten Organisation für fairen Handel, betreut. Ihre Ziele sind biologische Kaffeeerzeugung in bester Qualität und unter hoher sozialer Verantwortung.
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Kirchzarten (glü.) Zwei Tage vor der Eröffnung war Heike Kromer total geschafft. Obwohl ihr Arbeitsvertrag erst ab 1. September gilt, ließ sie es sich nicht nehmen, bei den Vorbereitungen zur Übernahme des Gastronomiebetriebes im Hofgut Himmelreich zu helfen. Mit großem Eifer spülte sie Hunderte von neuen Weingläsern und Krügen. Heike Kromer ist behindert, sie hat das Down-Syndrom und gehört mit fünf anderen geistig Behinderten Menschen zur „Gründungsbelegschaft". Die Hofgut Himmelreich gGmbH ist seit wenigen Tagen Betreiberin des denkmalgeschützten Gasthauses zwischen Bahnhof und B 31. Für deren ehrenamtlichen Geschäftsführer Jürgen Dangl ist mit der Eröffnung ein Traum in Erfüllung gegangen. Seit Jahren wünschte er sich, Menschen mit Behinderung in ganz normale Arbeitsprozesse einzugliedern. Und da der ehemalige Diakonie-Kreisgeschäftsführer seit einiger Zeit im (Un-)Ruhestand lebt, konnte er sich mit ganzer Kraft dem Projekt Himmelreich widmen. Der Verein Thetis, der sich ebenfalls die Integration Behinderter in normale Arbeitsprozesse zum Ziel gesetzt hat, unterstützt ihn. Nach dem Weggang des letzten Pächters wurde das Hotel-Restaurant von der Treugast-Gesellschaft verwaltet und auf Sparflamme geführt. Jetzt bringen die Behinderten und ihre gelernten Fachkollegen neuen Schwung in den Betrieb. Als Direktor hat die gGmbH den langjährigen Chef des Alemannenhofes in Hinterzarten, Christoph-Biber, gewinnen können Der Vierzigjährige suchte nach erfolgreichen Jahren im Schwarzwald eine neue Herausforderung. „Dieses Projekt ist für mich maßgeschneidert", erzählt er dem „Dreisamtäler" voller Begeisterung, „meine Frau und ich haben uns schon immer für Schwächere in der Gesellschaft engagiert Ich will hier ein schönes Team mit Menschen mit und ohne Behinderung aufbauen." So hat er fünf Hotel-und Küchenfachleute eingestellt, die nicht nur ihr Handwerk können, sondern sich auch auf die Zusammenarbeit mit Behinderten, einlassen wollen. Angefangen .hat der Betrieb jetzt mit sechs Behinderten, die im Service, in der Küche, im Zimmerservice und im Außenbereich arbeiten. Im Januar und Mai kommen jeweils vier hinzu. In zwei Jahren sollen 13 Behinderte dort einen festen Arbeitsplatz gefunden haben. . Klar ist für Biber und Dangl, dass der Gastronomiebetrieb Himmelreich keine soziale Einrichtung, keine beschützende Werkstatt ist. Hier muss jede und jeder mit den ihr und ihm eigenen Fähigkeiten seinen Job machen. Deutlich wird das auch in der Bezahlung. Alle Angestellten werden nach dem Tarif des Hotel-und Gaststättengewerbes bezahlt. Sie haben die Fünf-Tage-Woche, in der die Behinderten 20 Stunden arbeiten. Zu tun gibt es viel. Das Restaurant hat 140 Plätze und die Terrasse zusätzlich nochmals 80. In den 15 Doppelzimmern stehen 30 Betten. Täglich ist der Betrieb von 7 bis 23 Uhr geöffnet und warme Küche gibt es von 12 bis 14:30 und von 17:30 bis 21:30 Uhr. der Speisekarte stehen regionale badische Gerichte und Weine von hier zu vertretbaren Preisen. Im Moment hat die Hofgut Himmelreich gGmbH den Betrieb von der Erbengemeinschaft Fauler gepachtet. Doch sobald die Finanzierung durch Landeswohlfahrtsverband, Aktion Mensch, El Bank und Herzenssache nicht versprochen, sondern handfest wird das Netzwerk Diakonie Hofgut kaufen und die gGmbH dann Betriebsträger. Ab 1. Januar 2005 wird dem ganzen Unternehmen in der benachbarten Scheune eine "Akademie" angegliedert. Hier sollen Mitarbeiter (innen) mit und ohne Behinderung in Workshops auf die gemeinsame Arbeit vorbereitet und weitergebildet werden. „Wir möchten schließlich Nachahmer finden", hofft Christoph Biber, „und denen wollen wir unsere Erfahrungen weiter geben."
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KIRCHZARTEN. Geistig behinderten Menschen im Arbeitsmarkt einen Platz zu verschaffen und ihnen zu einem möglichst selbständigen Leben zu verhelfen, das ist das Ziel des in Baden-Württemberg einmaligen Projekts "Hofgut Himmelreich". Das bisherige Gasthaus "Himmelreich" soll in ein Restaurant und Hotel mit Tagungsstätte und Weiterbildungsmöglichkeiten verwandelt werden Der ehrenamtliche Geschäftsführer der eigens gegründeten gemeinnützigen GmbH, Jürgen Dangl, erklärt, wie die Idee umgesetzt werden soll. Danach gründet das Projekt, das das Diakonische Werk mit dem Verein Thetis in Buchenbach entwickelt hat, auf drei Säulen: ein klassischer Integrationsbetrieb, eine "Akademie" und ein Netzwerk, das den Gedanken des selbstständigen Lebens für Behinderte verbreiten soll. Der Integrationsbetrieb besteht aus einem Restaurant, einem Hotel mit 30 Betten und zwei Tagungsräumen. Hier sollen 13 behinderte Mitarbeiter mit drei oder vier nicht behinderten zusammenarbeiten, und zwar, wie Dangl betont, "auf gleicher Augenhöhe". Sie sollen nicht Betreuer und Betreute, sondern Kollegen sein. Die Behinderten - meist mit Downsyndrom - haben nach dem Konzept versicherungspflichtige 50-Prozent-Stellen und werden nach Tarif bezahlt. Ehrenamtliche Arbeitsassistenten, etwa von Thetis, unterstützen die Behinderten und ziehen sich nach und nach zurück, wenn diese sich eingearbeitet haben. Für Konfliktfälle bleiben sie weiterhin feste Ansprechpartner. Dangl betont, dass der Gastronomiebetrieb wirtschaftlich angelegt sei: Der Gast zahle normale Preise. "Er soll nicht aus Barmherzigkeit hingehen", so Dangl, sondern weil er eine Leistung in Anspruch nehmen wolle. Nicht alle Aufgaben können die geistig Behinderten übernehmen, weiß Dangl, aber mehr, als man ihnen gemeinhin zutraue. Richtige Förderung setze ungeahnte Potenziale frei. Für Menschen etwa mit Downsyndrom sei der Weg von Frühförderung über Sonderkindergarten, Sonderschule und Behindertenwerkstatt bis ins Wohnheim oft vorgezeichnet. Diesen vermeintlichen Automatismus gelte es zu durchbrechen. Die Hofgut Himmelreich gGmbH, deren Alleingesellschafter der Verein Netzwerk Diakonie in Kirchzarten ist, möchte deshalb mit einer "Akademie" Behinderte in den Bereichen Hauswirtschaft, Gartenbau und Gastronomie weiterbilden und später in reguläre Arbeitsverhältnisse vermitteln. Die Ausbildung soll in Modulen erfolgen, die die Behinderten nach eigenen Wünschen und nach ihrem persönlichen Rhythmus absolvieren können. So werden rund zehn Module im Bereich Gartenbau angeboten, etwa "Rasenpflege" oder "Mähmaschinen". Die Gesellschaft strebt eine Zertifizierung der Module durch die Industrie- und Handelskammer oder durch das Regierungspräsidium an - also laut Dangl "kein selbst gestricktes" Zeugnis, sondern eins, das Vergleichbarkeit schafft und offiziell anerkannt ist. Mit diesen Zertifikaten sollen sich die Behinderten auf dem Arbeitsmarkt bewerben können. Es sei nicht Ziel, dass sie ihr Leben in Himmelreich verbringen. "Die Endidee ist eine Öffnung der Berufsschulen auch für geistig Behinderte." Jürgen Dangl Modulare Ausbildungen für geistig Behinderte seien in Deutschland einzigartig, erklärt Dangl. Geplant sei, einen Arbeitskreis mit Vertretern von Behinderten und Berufsschulen zu gründen. "Die Endidee ist eine Öffnung der Berufsschulen auch für geistig Behinderte", sagt Dangl, etwa im Bereich Gartenbau, wenn gerade die entsprechende Unterrichtseinheit angeboten werde: "Aber das ist noch Zukunftsmusik." Die Idee, "ein höchstmögliches Maß an Selbstverantwortung dem Behinderten zu übertragen", soll ein dafür entwickeltes Netzwerk verbreiten. "Wir wollen Erfolgsgeschichten publizieren", erklärt Dangl. Ängste von Eltern sollen abgebaut werden, damit diese ihre behinderten Kinder nicht doch lieber vorsichtshalber ins Wohnheim geben, für den Fall, dass sie selber einmal nicht mehr für sie sorgen können. "Unser Ansatz ist: Nicht das Wohnheim ist die Alternative, sondern betreutes Wohnen." Mit diesem Konzept findet die Hofgut Himmelreich gGmbH bei Behinderten und ihren Eltern großes Interesse. Bewerbungen seien "in Massen" eingetroffen, so Dangl. 1,8 Millionen Euro sind für das Projekt veranschlagt. Die Hälfte davon übernehmen der Landeswohlfahrtverband Baden und die "Aktion Mensch". Der Rest soll durch Spenden, private zinslose Darlehen und Bankkredite aufgebracht werden. Sponsoren zu suchen, so Dangl, "ist im Moment meine Hauptaufgabe". Über Spenden und private Darlehen sind bisher je 50 000 Euro eingegangen, das jeweils Doppelte ist angestrebt: "Das ist Mitvoraussetzung, dass wir's kaufen können." Der Kauf des Hofguts mit seinen diversen Nebengebäuden und einer Jakobuskapelle sei notwendig, damit man unabhängig agieren könne. Bis 31. März müsse der Vertrag unterschrieben sein. Kann das Hofgut gekauft werden, soll es - soweit es die denkmalgeschützte Bausubstanz zulässt - behindertengerecht umgebaut werden. Die Bauerngaststube bleibe erhalten. Am 15. April könnte der Betrieb beginnen. "Der Rückhalt in der Bevölkerung ist hier sehr hoch", freut sich Dangl, "auch von der politischen Gemeinde." Hofgut Himmelreich gGmbH:
Telefon 07661/ 3440,
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Dreisamtäler 27.02.2003 |
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Badische Zeitung vom Freitag, 28. Juni 2002 Als vollwertig akzeptiert werden Der Förderverein "Thetis" hilft behinderten Menschen bei der Eingliederung in die Arbeitswelt / Ein eigenes Haus als Wunsch KIRCHZARTEN . Dass Menschen mit Behinderungen dort leben, lernen und arbeiten sollen, wo sie zu Hause sind, ist eine der wesentlichen Aufgaben des Vereins für Förderung von Ausbildung und Eingliederung behinderter Menschen, kurz "Thetis" nach der Göttin der Behinderten genannt. Der seit 1998 bestehende Verein kümmert sich um junge Menschen, die mit Behinderungen ihr Berufsleben nicht unbedingt in anonymen großen Anstalten verbringen wollen, und auch darum, dass auch Behinderte die Möglichkeit haben, ihre Lebensplanung mitzubestimmen. Thetis-Vorsitzende Monika Pohlmann weist darauf hin, dass es auch ein weiteres Ziel sei, den Berufswünschen behinderter Jugendlicher und deren Eltern soweit wie möglich Rechnung zu tragen. Dies steht im Mittelpunkt der derzeitigen Arbeit von Thetis. Es werde versucht, Behinderte, wenn es irgendwie möglich ist, in ein normales Berufsleben zu integrieren und dadurch das Selbstwertgefühl dieser Menschen zu steigern. Nachdem im vergangenen Jahr bereits ein Arbeitsplatz für einen 19-jährigen Behinderten in der Wagensteiger Firma Wandres gefunden wurde, konnte jetzt Monika Pohlmann einen weiteren Erfolg verbuchen: In der Firma FMS-Elektronik in der Scheffelstr aße in Kirchzarten hat der 19-jährige Felix Eith einen Arbeitsplatz erhalten. "Ich bin gut aufgenommen worden und freue mich jeden Tag auf die Arbeit", stellte Felix Eith fest, der als technische Hilfskraft eingestellt wurde. Er ist hauptsächlich mit Montagearbeiten betraut und nach seinen Worten in die Firma voll integriert. Für Eugen Molz war es selbstverständlich, zusammen mit seinen weiteren zwei Gesellschaftern etwas für Behinderte zu tun. Zunächst boten sie ein Praktikum für Felix Eith an in der Absicht, eine entsprechende Stelle für Behinderte in ihrem Betrieb auszuweisen. "Für uns war es Neuland und wir mussten auch zuerst Erfahrungen sammeln," sagt Egon Molz und bereut heute diesen Schritt nicht. Er bezeichnet es als eine gesellschaftliche Verpflichtung, sofern es möglich ist, Behinderte im Betrieb aufzunehmen und zu integrieren. Monika Pohlmann weiß aus den Erfahrungen bei der Arbeitsplatzsuche von Behinderten, dass sie in den Betrieben stets gut aufgenommen werde. Viele Firmen, die entsprechende Arbeitsplätze nicht zur Verfügung stellen könnten, würden dann entsprechende Spendengelder für die Arbeit von Thetis zur Verfügung stellen. Thetis, die eng mit dem Verein Netzwerk Diakonie in Kirchzarten zusammenarbeitet, möchte zur Verwirklichung ihrer Ziele in der nächsten Jahren ein Projekt anstreben. "Wir suchen ein verkehrsgünstig gelegenes Haus im Dreisamtal, in dem der Betrieb eines Hotels Garni möglich ist, sowie je nach Größe Nebenerwerbsb etriebe in denen wie zum Beispiel Café oder Teestuben, einen Mangelbetrieb undähnliches untergebracht werden können, so Monika Pohlmann zu ihren unschvorstellungen. Das Haus soll außerdem die Möglichkeit zum Wohnen für zwei bis vier behinderte Menschen bieten, ferner als Treffpunkt für Behinderte und Nichtbehinderte in der Freizeit dienen. Wie es in anderen Betrieben auch der Fall ist, soll die Möglichkeit zur Weiterbildung vorhanden sein. "Unser pädagogischer Ansatz geht davon aus, dass behinderte Menschen oft mehr leisten können und wollen, als von ihnen verlangt oder erwartet wird", so die Vorsitzende. Das Haus soll so geführt werden, dass es sich mit der Zeit selbständig trägt und dass die Behinderten in der Lage sind, einen Teil ihres Lebensunterhaltes selbst zu finanzieren.
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